Diakonisches Werk Delitzsch/Eilenburg
25 Jahre Diakonie

Kein leichtes Ankommen in einer anderen Welt

Flüchtlingssozialarbeit und Jugendmigrationsdienst leisten erste Hilfe

Janet Liebich und Michael Marschall

Janet Liebich und Michael Marschall kümmern sich um die Flüchtlinge und leisten ihnen erste Hilfe bei den alltäglichen Dingen und Behördengängen, die nun auf sie zukommen.

Seit Januar 2016 arbeitet Janet Liebich als Sozialarbeiterin beim Diakonischen Werk Delitzsch/Eilenburg e.V.. Zusammen mit Michael Marschall, der im Bereich Jugendmigrationsdienst tätig ist, kümmert sie sich um Menschen, die aus fernen Ländern vor dem Krieg oder nach Katastrophen nach Deutschland geflüchtet sind. Als Flüchtlingssozialarbeiterin ist Janet Liebich verantwortlich für den Bereich Bad Düben, Laußig und Taucha. Hier betreut sie momentan ca. 200 Personen, überwiegend Familien. Dabei ist deren Status teilweise noch nicht geklärt, da ein Asylverfahren in Deutschland zwischen vier Monaten bis mehrere Jahre dauern kann. Im laufenden Verfahren muss man sich in vorgeschriebenen Abständen eine neue Aufenthaltsgestattung amtsseitig besorgen. Erst wenn das Verfahren abgeschlossen ist, darf man sich in unserem Land sicher und geborgen wissen. Erster Anlaufpunkt für all jene, die gerade angekommen sind, ist in Bad Düben die Beratungsstelle am Postweg 6. Die Räumlichkeiten wurden von der Diakonie zum 1.1.2017 von der AWO übernommen. Die konkrete Hilfe, die es zu leisten gilt, ist mannigfaltig. Sprachschwierigkeiten stehen an erster Stelle. Die Geflüchteten kommen aus aller Herren Länder: Tschetschenien, Pakistan, Iran, Irak, Afghanistan, Syrien, Libyen oder Somalia. Da stoßen die Sozialarbeiter auch an ihre Grenzen. Man redet mit Händen und Füßen und da ist es sehr hilfreich, wenn – wie Michael Marschall berichtet – unter den Männern aus Syrien einer ist, der Arabisch und Russisch spricht, was mit Unterstützung der ehrenamtlichen Spätaussiedler einen Glücksfall darstellt. Einige sprechen neben ihrer Muttersprache Englisch oder Französisch, so dass Frau Liebich mit deren Unterstützung von Beginn an mit den Geflüchteten in Kontakt kommen konnte. Das Ankommen der Flüchtlinge in der Region wird durch die Ausländerbehörde des Landratsamtes in Delitzsch gesteuert. Erst einmal vor Ort, bekommen die Migranten eine Unterkunft zugewiesen. Dann müssen sie alleine zurechtkommen. Kein leichtes Unterfangen, wie Janet Liebich zu berichten weiß. Dank des gut funktionierenden Netzwerkes kann sie schon beim Erstgespräch oder beim ersten Besuch konkrete Hilfe anbieten und leisten. Dazu gehören Banalitäten wie Einkäufe oder Orientierung vor Ort, als auch komplexe Aufgaben wie Arztbesuche, Kita-Plätze, Schule für die Kinder, Sprachkurse für die Erwachsenen... Als Ansprechpartner für alle Beteiligten, wie Ämter, Anwohner oder Bildungseinrichtungen trägt man zum Gelingen der Integration maßgeblich bei. Richtig kompliziert wird es beim bürokratischen An- und Ablauf nach dem Asylverfahren. Da müssen seitenweise Anträge ausgefüllt werden – in Deutsch... versteht sich! Da müssen Dokumente beigebracht werden, die in vielen Fällen nicht mehr vorhanden und nur schwer wiederzubeschaffen sind. Manche Flüchtlinge haben unterwegs alles verloren oder mussten binnen Stunden das Heimatland verlassen. All dies bedeutet einen zermürbenden Kampf um den Nachweis der eigenen Identität. Das alles sind Probleme, die bewältigt werden müssen. Hinzu kommt in vielen Fällen, dass die Flüchtlinge erst nach ihrer Ankunft hier, mit der seelischen Aufarbeitung ihrer Vertreibung und Flucht beginnen können. Schließlich hat man alles verloren: Heimat, Freunde, Hab und Gut, das Leben dort. Nicht selten werden Tote beklagt, die es nicht geschafft haben, rechtzeitig das Land zu verlassen. In behutsamen Gesprächen wird versucht erste Hilfe zu leisten und falls nötig, professionelle Behandlung in die Wege zu leiten. Auch das Miteinander ist nicht immer ganz einfach. Es treffen hier Menschen aufeinander, die von anderem Glauben und anderen Traditionen geprägt sind. Und dann gibt es zudem noch neue Regeln, die in unserem Land einzuhalten sind. Michael Marschall meint: "Unsere Beratungsstelle im Postweg ist ein Ort des Friedens!" Und dies wird von allen so akzeptiert. Und dieser "friedliche Ort" in Bad Düben strahlt in die Umgebung und das Umfeld der Menschen aus. So werden z. B. erste Hausfeste initiiert und gefeiert, wo Juden, Muslime und Christen auf Augenhöhe eine neue Gemeinschaft erleben. Auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter und Projekte tragen an diesem Ort des Friedens zu einer gelingenden Integration bei. Es wächst die Erkenntnis, dass sie alle hier miteinander leben müssen. Janet Liebich und Michael Marschall erleben jeden Tag aufs Neue, dass die Hilfe, die sie geben können, dankbar angenommen wird.

Text & Foto: Andreas Bechert

 
 
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