Diakonisches Werk Delitzsch/Eilenburg
25 Jahre Diakonie

Franka Martin hat die Jugend der Dörfer im Blick

Franka MartinFranka Martin ist für die Mobile Jugendarbeit in Laußig und Doberschütz zuständig.

Ein halbes Jahr, nachdem Franka Martin (29) als Sozialarbeiterin in der Mobilen Jugendarbeit für Laußig und Doberschütz begonnen hat, zieht sie ein erstes Fazit ihrer Arbeit.

Ein halbes Jahr ist Franka Martin (29) mittlerweile als Sozialarbeiterin in der Mobilen Jugendarbeit für die Gemeinden Laußig und Doberschütz tätig. Nun zieht sie ein erstes Fazit ihrer Arbeit. Vor allem mit Orientierung und Netzwerkarbeit verbrachte sie die erste Zeit. Ihre Stelle war schließlich vier Jahre lang nicht besetzt. Sie habe zunächst ihre Angebote in Schulen und Vereinen bekannt gemacht. Und später für den Eigengebrauch eine informelle Sozialraumanalyse der beiden betreuten Gemeinden erstellt, die 18 Dörfer und immerhin 12 Jugendclubs umfassen. Wie sehen die Bedürfnisse der Jugendlichen aus? Was denken die Erwachsenen?

Dadurch wurde ihr klar, dass "Jugendclub" im weitesten Sinn heißt, dass Jugendliche den Schlüssel für einen Raum kriegen und sich selbst überlassen werden, erzählt die 29-Jährige. Entsprechend negativ fällt ihr Urteil auch für das Potenzial ihrer eigenen Arbeit aus: "Manche Kollegen und Kolleginnen nennen es hinter vorgehaltener Hand ‚Notstandsverwaltung'", sagt die Sozialarbeiterin.

Natürlich mangelt es im ländlichen Raum überall an Ressourcen. Da die bereitgestellten Mittel für ihre Arbeit aber so begrenzt seien, könne sie nicht nachhaltig sein, erklärt sie. Auch weil sie ihre 30 Wochenstunden noch für administrative Arbeit aufbringen muss. Generell wird soziale Arbeit nicht alleine, sondern im Team geleistet. Der Austausch im Kollegium sowie die Reflexion unterschiedlicher Themen sind zentrale Punkte. Vor allem der Kontakt zum Mobilen Beratungsteam des Kulturbüros Sachsen sei daher eine Hilfe. Der fange den Mangel aber nicht gänzlich ab. Und das sei sowohl den Bürgermeistern als auch den Trägern bewusst, führt sie weiter aus.

Angebote fehlen oft

Martin berichtet von den älteren Jugendlichen, die vor allem ihre Ruhe haben und ihre Zeit ohne Erwachsene verbringen wollen. Ihnen würden eher strukturelle Angebote wie Einkaufsmöglichkeiten, Kinos oder ein ausgebauter ÖPNV fehlen, welche die Sozialarbeiterin aber nicht leisten kann. Die jüngeren Jugendlichen artikulierten andererseits, dass ihnen neben den zahlreichen Feuerwehren und Sportvereinen Angebote fehlen würden. Sie wollten nicht immer nur zum Training gehen, sondern beispielsweise auch einmal eine gemeinsame Fahrt machen oder einen Vortrag zu Themen von Interesse hören. Sie möchte daher ihre Arbeit auf die jüngere Zielgruppe der sogenannten "Lückekinder" richten. Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 13 Jahre genannt, die das gängige Jugendclub-Alter noch nicht erreicht haben. Für sie hat Franka Martin in den Gemeindeverwaltungen von Laußig und Doberschütz jeweils einen Raum erhalten, der mit ihnen in den Herbstferien gemeinsam gestaltet und anschließend als Anlaufpunkt dienen soll. Die 29-Jährige will dann zwei bis drei Tage in der Woche vor Ort sein und als Ansprechpartnerin zur Verfügung stehen. Ihr Ziel ist es mit den Jugendlichen und externen Anbietern Angebote zu schaffen, die die vielfältigen Angebote von Feuerwehr und Sportvereinen nochmals ergänzen.

Jugendlichen zeigen, dass sich Engagement lohnt

Warum diese Arbeit wichtig sei, liefert sie gleich mit. Viele der älteren Jugendlichen ziehen sich aus Vereinen und Feuerwehren zurück. Es reiche ihnen nicht mehr, nur dazusitzen und dem Wehrleiter zuzuhören und die immer gleichen Abläufe zu tätigen. Weil aber immer mehr Leute wegbrechen, könnten die selber keine Mehrangebote liefern. Das führt wiederum dazu, dass die Jugendlichen nicht mehr animiert werden. Eine Beobachtung, die tatsächlich von den Erwachsenen aus Vereinen und Wehren kommt.

"Die Entwicklung auf dem Land weist im Ehrenamt immer mehr Lücken auf, weil es weniger Engagement gibt als noch vor ein paar Jahren." Alternde, steife, unzeitgemäße Strukturen seien dafür mitverantwortlich. Man müsse Kinder daher darin befähigen selber aktiv zu werden und eigene Wünsche und Bedürfnisse zu äußern. Dies wiederum sei wichtig für die zuletzt oft beschworene Zivilgesellschaft: "Wir müssen den Jugendlichen zeigen, dass sich Engagement lohnt." Die Mobile Jugendarbeit läuft unter Trägerschaft des Diakonischen Werkes Delitzsch/Eilenburg. Kontakt 0151 16350634.

Die Seite der "Mobilen Jugendarbeit" auf diakonie-delitzsch.de.

Quelle: LVZ | 13.09.18 | Edgar Lopez
Foto: LVZ | Heike Liesaus

 
 
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