Diakonisches Werk Delitzsch/Eilenburg
25 Jahre Diakonie

Diakonie-Flüchtlingssozialarbeit

Region Taucha/Bad Düben/Eilenburg

Kontakt:
Beratungsbüro Eilenburg
Dr. Belian Str. 6
04838 Eilenburg
Tel: 0151 16350631
Öffnungszeiten:
Di. + Do. von 14-18 Uhr
Ansprechpartner:
Janet Liebich
Stefan Krippendorf
E-Mail:

Flüchtlingssozialarbeit ist dringend notwendig!
Interview mit Diplom-Pädagoge Stefan Krippendorf

Herr Krippendorf, Sie nennen sich "Flüchtlingssozialarbeiter" – was kann man darunter verstehen?
Ein Flüchtlingssozialarbeiter ist – kurz gesagt – für die soziale Betreuung von Asylbewerbern und ausländischen Flüchtlingen zuständig. Im Landkreis Nordsachsen wurden dafür 4,5 Stellen geschaffen. Mein regionaler Zuständigkeitsbereich ist der Altkreis Eilenburg – derzeit bestehend aus Eilenburg, Taucha, Bad Düben, Laußig, Krostitz und Schönwölkau.
Was sind die Schwerpunkt innerhalb ihrer Tätigkeit?
Die sozialarbeiterische Unterstützung der Flüchtlinge zielt darauf ab, eine angemessene Versorgung in allen Lebensbereichen zu erwirken, sowie die Ratsuchenden in die Lage zu versetzen, eine realistische Lebensplanung und Schritte für eine Integration in ihrem Lebensumfeld vorzunehmen. Die Ressourcenstärkung und Förderung der Eigenständigkeit stehen im Zentrum aller Maßnahmen. Ferner gehören die Organisation sozialraumorientierter Gruppenangebote und Projekte, Bildungs- und Freizeitmaßnahmen und die Freiwilligenarbeit (Anleitung und Koordination) zu den Aufgaben der Sozialarbeit. Ebenso ist der Kontakt zum Wohnumfeld der Flüchtlinge eine wichtige Stütze zur Arbeit im Gemeinwesen. Die Mitarbeit in kommunalen Gremien wie dem Arbeitskreis Mensch und Migration, Netzwerk Integration im LK NSA und die Weiterentwicklung des Integrationskonzeptes des Landkreises Nordsachsen dienen der Einflussnahme und der Verbesserung der Rahmenbedingungen für ausländische Flüchtlinge.
In Taucha laden Sie jetzt z. B. zum "Café international" ein... Wer ist da herzlich willkommen?
Das "Café international" ist ein offenes Kennenlernangebot für alle "alteingesessenen" Bürgerinnen und Bürger und für alle asylsuchenden Menschen. Die Integration asylsuchender Menschen ist um so erfolgversprechender, je mehr Bürgerinnen und Bürger sich konkret ehrenamtlich für die Belange dieser Menschen engagieren. Daher wurden in verschiedenen Kommunen des Landkreises Nordsachsen Paten und Patinnen gesucht, die sich eine Begleitung von geflüchteten Menschen im ungewohnten deutschen Alltag vorstellen können. So entstand der Wunsch nach einem niedrigschwelligem Begegnungsangebot, das nunmehr in Form eines offenen Cafés, als "Café international", regelmäßig im 4 Wochen-Rhythmus stattfindet.
Wie wird dieses Angebot angenommen?
Bisher sehr gut angenommen. Neben den Paten und Patinnen, den (zumeist) Flüchtlingsfamilien mit vielen Kindern wurde das Café auch von Vertretern der Polizei, der Gemeindeverwaltung, der Medien und von Interessenten besucht, die bisher noch nicht als Paten aktiv waren. In angenehmer Atmosphäre wurden erste Kontakte geknüpft, konkrete Probleme angesprochen und bereits Hilfen (wie z.B. die Begleitung zum Arztbesuch, Klärung von Problemen mit Vermietern, Schule, Kita etc.) vereinbart. In Taucha findet es immer mittwochs um 17 Uhr im 4-Wochen-Rhythmus statt: nächste Termine: 8. Juli 2015; 12. August 2015; Ort: DRK Jugendclub Taucha; An der Parthe 22, 04425 Taucha
Gibt es ähnliche Vorhaben im Bereich Eilenburg und Bad Düben – wenn ja, wo und wann?
Ja, die gibt es. Die Termine für das "Café international" sind in Bad Düben: Letzter Mittwoch im Monat 15 Uhr: nächste Termine: 29. Juli 2015; 26. August 2015; Ort: Begegnungsstätte "Neue Heimat"; Postweg 6; in Eilenburg: 1. Freitag im Monat 17 Uhr: nächste Termine: 3. Juli 2015; 7. August 2015; Ort: Kinder- und Jugendarche; Nikolaiplatz 4.
Sie sind seit November 2014 in dieser Funktion unterwegs... Was ist Ihr Fazit nach gut einem dreiviertel Jahr – wird die Arbeit angenommen, wo ist sie noch ausbaubar?
Flüchtlingssozialarbeit ist dringend notwendig! Ohne diese Betreuung wären asylsuchende Menschen im zunächst für sie so fremden Alltag nahezu auf sich allein gestellt und mit vielen, für uns oft kleinen Problemen überfordert; Integration würde nur schwer möglich sein. Die überwiegende Mehrheit der von mir betreuten asylsuchenden Menschen hat diesen Integrationswillen und nimmt meine Unterstützungsangebote sehr gut an. Als problematisch sehe ich die Entwicklung des Betreuungsverhältnisses. War ursprünglich ein Flüchtlingssozialarbeiter für 150 Menschen angedacht, geht die Tendenz momentan in Richtung 1:250. Natürlich leidet darunter zwangsläufig die Qualität meiner Arbeit. Hier sollte von Seiten des Landkreises dringend für Entlastung gesorgt werden!
Wo kann man Sie antreffen, wenn es um all diese Fragen der Migration geht?
Ich habe mit dem Jugendsozialarbeiter Torsten Pötzsch ein gemeinsames Büro in Eilenburg, in der Dr. Belian Str. 6. Da ich aber die meiste Zeit bei den Familien vor Ort (oder im Auto) verbringe, bin ich besser telefonisch unter 0151 16350631 oder per Mail unter migration@diakonie-delitzsch.de erreichbar.
Wie sollten wir Deutschen uns in Fragen Asyl und Migration künftig anders verhalten?
In meiner täglichen Arbeit begegne ich oft Menschen, die Ängste und Vorurteile gegenüber fremden Menschen haben. Ich wünsche mir daher, dass immer mehr Deutsche den Mut haben, sich dennoch auf eine Begegnung mit Respekt einzulassen. Viele erfahren dann sehr schnell, dass man selbst ohne große Sprachkenntnisse in Kontakt kommt, der das eigene Leben ungemein bereichern sowie Ängste und Vorurteile abbauen kann. Gerade im Kontakt mit Menschen in Not, mit Fluchterfahrung erleben sie sehr oft Dankbarkeit, schon für kleine Gesten und nicht selten entwickeln sich daraus stabile Freundschaften.

Gespräch: Andreas Bechert

Hintergrund:

Die Aufgaben der Flüchtlingssozialarbeit sind vielschichtig und konzeptionell in 10 Punkten zusammenfassbar:

  1. Aufklärung und Information der AnwohnerInnen und Institutionen im Gemeinwesen (möglichst) schon vor Umsetzung von Unterbringung in Kooperation mit der Unterbringungsbehörde
  2. allgemeine soziale Hilfestellung und Beratung der Flüchtlinge
  3. Überwindung sprachlicher Hürden mittels Einsatz von Sprachmittlern
  4. Unterstützung bei Behördengängen (Ausländerbehörde, Jugendamt, usw.)
  5. Information über Bildungsmöglichkeiten bzw. Vermittlung in Angebote (spezifisch für Erwachsene, Frauen, Jugendliche, Kinder, …)
  6. Orientierungshilfen in der Aufnahmekommune (z. B. Was ist wo?)
  7. Vermittlung in Konfliktsituationen (Mittler zwischen Behörden, Einrichtungsbetreibern [Heimleitung], Asylsuchenden, Anwohnern usw.)
  8. Gewinnung, Schulung und Begleitung von Flüchtlingen zur ehrenamtlichen Tätigkeit
  9. Gewinnung, Schulung und Begleitung Ehrenamtlicher für niedrigschwellige Hilfen für Flüchtlinge
  10. Mitwirkungen an der Erarbeitung einer Lebensperspektive des Flüchtlings für die Zeit des Aufenthaltes hier, die Weiterwanderung in ein Drittland oder bezüglich Rückkehrmöglichkeiten.
 
 
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